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Grußwort des Kongresspräsidenten

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

erstmalig wendet sich an Sie alle, die als Mitglied einer Berufsgruppe auf einer Intensivstation oder im Rettungswesen arbeiten, ein Kinderarzt als DIVI - Kongresspräsident. Erwarten Sie bitte nicht, dass ich das begründe, erläutere, entschuldige oder preise. Es ist eine Folge der neuen DIVI - Satzung, die die gleichberechtigte Zusammenarbeit innerhalb der Intensiv- und Notfallmedizin über die Fachgruppen hinaus zu ihrem Alleinstellungsmerkmal erklärt. Verglichen mit anderen Fachgesellschaften ist dies ein entscheidender Grund für die Attraktivität der DIVI für alle, die in diesem Medizinbereich arbeiten, und Personen und Institutionen in Politik, Wirtschaft und der Öffentlichkeit, die Verantwortung für schwerkranke Mitmenschen haben. Nur am Wohl der Patienten entscheidet sich das Urteil über medizinisches Handeln. Diese Patienten haben ein Recht darauf, dass das Fachpersonal bestmöglich kooperiert.

Da es keine Altersstufe gibt, in der der Mensch so gesund ist, wie die zwischen 5 und 15 Jahren, und Kinder bekanntlich seit einiger Zeit seltener werden, sind kindliche Intensivpatienten und somit auch Kinderintensivmediziner eine kleine Minderheit in der DIVI. Deshalb wird auch der 11. DIVI – Kongress in Fortführung der bewährten Tradition überwiegend Themen der Intensivtherapie bei Erwachsenen zum Inhalt haben. Viele Prinzipien der Intensivmedizin sind ohnehin unabhängig vom Alter. Kinderintensivmediziner haben seit ihrer Gründung die DIVI mitgetragen und von ihren „großen“ Kolleginnen und Kollegen gelernt.

Aber auch den umgekehrten Weg hat es gegeben. So wurden die CPAP-Atmung, HFO-Beatmung und Surfactanttherapie zuerst Standard in der neonatologischen Intensivmedizin. Auch hinsichtlich der Konstanthaltung der Körpertemperatur und exakten Medikamentendosierung und intravenösen Infusionstherapie können die Erfahrungen in der Pädiatrie durchaus hilfreich für die gesamte Intensivmedizin sein. Beim Umgang mit der Autonomie des Patienten bzw. seiner Familie sind Pädiater immer schon durch eine anspruchsvolle Schule gegangen. Sie blicken bei der Visite nicht auf den alten, geschwächten und kompromissbereiten Patienten hinunter, sondern stehen auf Augenhöhe (oder bei kleinen Kinderärzten sogar darunter) der jungen, hoch motivierten und kampfbereiten Mutter gegenüber.

Vielleicht gelingt es, diese Aspekte bei der Themenauswahl für die Intensivmedizin bei Erwachsenen zu berücksichtigen. Ich werde mich jedenfalls darum bemühen. Ferner besteht die Absicht, durch Darstellung einer modernen neonatologischen Intensivstation den Kongressteilnehmern und Berichterstattern vom DIVI - Kongress 2011 Einblick in diese neue Welt zu geben, in der heute auch Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 500 g und unter 24 Schwangerschaftswochen erfolgreich behandelt werden.

Selbstverständlich entstehen dadurch auch Fragen zum Recht auf Intensivversorgung und Recht auf Intensivbehandlungsverzicht. Die prinzipiellen Antworten darauf sind aber nicht abhängig vom Lebensalter des Patienten, wenngleich ein die Intensivmedizin überlebendes Neugeborenes mehr Lebensjahre vor sich hat als ein Erwachsener am Ende seines Lebens. Auch hier besteht also die Gemeinsamkeit aller Intensivpatienten und Intensivmediziner. Das Motto des Kongresses „Fortschritt und Verantwortung“ zielt auch auf diese Thematik.

Ach ja – das Wichtigste zuletzt:
Zum ersten Male wird der DIVI - Kongress nicht in Hamburg, sondern in Leipzig stattfinden. Warum das? Jedenfalls nicht, weil der Kongresspräsident seit einigen Jahren in Magdeburg arbeitet. Die Fahrt nach Hamburg dauert für ihn nicht viel länger. Aber auch die Wahl des Kongressortes ist ein Beschluss des interdisziplinären DIVI - Präsidiums, die eine Vielzahl von Gründen, auch ökonomische, hat. Ich finde aber, dass Leipzig nicht nur unter pragmatischen Gesichtspunkten eine gute Wahl ist. Leipzig ist die Wiege der erfolgreichen und – am wichtigsten – unblutigen deutschen Revolution, Leipzig hat alles für einen großen medizinischen Kongress, Leipzig ist die größte Stadt im historischen Mitteldeutschland und Leipzig bietet vieles Schöne für den (kurzen) Abend nach einem arbeitsreichen Kongresstag. Übrigens ist Leipzig näher als viele denken: Kluge Geographen haben ausgerechnet, dass die Mitte Deutschlands in Mühlhausen/Thüringen liegt. Welche andere Stadt vergleichbar mit Leipzig liegt Deutschlands Mitte also näher?

Herzlich willkommen in Leipzig!

Ihr Prof. Dr. med. Gerhard Jorch
Kongresspräsident DIVI 2011


 


DIVI 2011 Abstract Buch
Die 2011 eingereichten Abstracts sind online abrufbar.

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Wissenschaftliches Programm als .pdf Dokument
Download Wissenschaftliches Programm, Stand: 14.11.2011

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